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Psychophysiognomik und Kallisophie

Carl-Huter-Archiv

Abhandlungen von Carl Huter (1861-1912)

Carl Huter hatte die Gewohnheit, was ihn beschäftigte, also meist an aktuelle Ereignisse anknüpfende innere Erregungen in Gedichte und kurze Abhandlungen zu fassen. In diesen Gedichten und Abhandlungen ist oft nicht die Form, nicht die sprachliche Ausgestaltung, sondern der Inhalt, die Mitteilung von besonderem Interesse. Sie gleichen, so unregelmäßig und zahlreich er solche Dichtungen und Abhandlungen zu Papier brachte, den Eintragungen in ein persönliches Tagebuch. Er schrieb spontan Gedanken nieder, die sich sonst im Tagesgeschehen verflüchtigt hätten. Sorgfältig redigiert und, wo dies für das Verständnis notwendig ist, kommentiert, folgen hier solche Abhandlungen. Weil manche dieser Abhandlungen an damalige Aktualitäten anknüpfen, ist es für das Verständnis unentbehrlich, den Kontext zu kennen.

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August Bethmann (Oktober 1899)

Carl Huter gab im Jahre 1898 im Verlag von A. Bethmann in Remscheid die Abhandlung "Die Landeshuter von Hilgenhaine" heraus, worin er unter dem Pseudonym "von einem Nachkommen eines alten vergessenen Königsgeschlechts" den Kaiser Wilhelm II. und das "Persönliche Regiment" desselben sowie dessen Bündnis- und Rüstungspolitik und dessen in einen Krieg führendes Rivalisieren mit Russland, England und Frankreich energisch kritisierte. Carl Huter widmete diese Arbeit "den zur Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 herbeiströmenden Völkern". Carl Huter hat, um seine Autorschaft zu verbergen, diese Publikation nirgends erwähnt. Wer in diesen Jahren den Kaiser und sein "Persönliches Regiment" öffentlich angriff, der musste mit einer mehrere Monate bis mehrere Jahre dauernden Gefängnisstrafe rechnen. Der Majestätsbeleidigungsparagraf war dafür die rechtliche Grundlage. Nun hat Carl Huter ein Jahr nach dem Erscheinen der genannten Publikation in der ersten Ausgabe seiner Zeitschrift "Die Hochwart" den Verleger seiner Publikation "Die Landeshuter von Hilgenhaine" seinen Lesern in einem gänzlich anderen Zusammenhang und ohne den geringsten Hinweis auf die Zusammenarbeit vorgestellt, nämlich (1) mit einer Selbstdarstellung und (2) einem Nachtrag.

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Gustav Nagel und Prof. Dr. med. F. Jolly

(Februar 1902)

von Carl Huter. In der Februar-Ausgabe des Jahres 1902 der Zeitschrift «Die Hochwart» ist der folgende Artikel von Carl Huter über den Naturmenschen Nagel und dessen Beurteilung durch den Berliner Psychiatrie-Professor Friedrich Jolly veröffentlicht worden. Carl Huter erwiderte Jollys «Diagnose», die Nagel als Geisteskranken darstellte, ihn ausgrenzte und der Lächerlichkeit preisgab, ungewöhnlich energisch. Nagel tanzte zwar wortwörtlich aus der Reihe. Er entsprach nicht der Norm, wenn man darunter den Durchschnitt versteht. War es aber nötig, ihn als kranken Spinner darzustellen? Welche Geisteshaltung steht hinter solchem Tun? Carl Huters abschließende Stellungnahme ist gibt in markanter Weise seine eigene Stellung zu verschiedenen gesellschaftlichen Fragen kund. Angesichts der um 1900 deutlich erkennbaren überheblichen, intoleranten und gleichzeitig Menschen gering oder nichtswürdig schätzenden Entwicklung an Universitäten, in der Wirtschaft und in der Politik, die schon bald groteske Formen annahm, hebt sich seine Stellungnahme wohltuend ab. Aus der Verbindung von Überheblichkeit mit einer Unter- und Geringschätzung anderer ging der Erste Weltkrieg hervor, entstanden die Vertreibung jüdischer Gelehrter und Studenten von den deutschen Hochschulen, vorab von der Humboldt-Universität Berlin, sowie die Vertreibung politischer Gegner des Nationalsozialismus und schließlich die Euthanasie- und Vernichtungsprogramme. Angesichts dieser schon bald nach Huters Tod im Dezember 1912 eingetretenen Ereignisse erscheint seine energische Kritik mehr als berechtigt.

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Die Schwarzen und die Roten

(Dezember 1899)
von Carl Huter

Es gibt im lieben deutschen Vaterland zwei Arten von Menschen. Sie sind unter den Stichworten "die Schwarzen" und "die Roten" bekannt.

Zu der ersten Sorte Menschen zählt man diejenigen, welche aus alten weltmächtigen Dummheiten ein Geschäft machen oder von denselben so stark eingenommen sind, dass kein Lichtschein einer neuen Erkenntnis in ihr Inneres dringen kann.

Diese Leute sind, so lange sie sich einer neuen Bewegung gegenüber passiv verhalten, schadlos für dieselbe. Treten sie aber als aktive Gegner das Neue auf, so kennzeichnen sie sich durch eine niedrige Gesinnung, Kleinlichkeit, List und Ranküne. Sie können eine hohe Gefahr für unsere neue Bewegung sein.

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Herbst (November 1899)

von Carl Huter.

Von der Pappel wehn die Blätter,
Braun färbt sich das Laub am Hag,
Herber wird jetzt Wind und Wetter,
Nach dem Sommer nicht mehr frag.

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Friedensgruß

Der Friedensliga von Europa und dem großmütigen Zaren
Nikolaus II. von Russland in aller Ehrerbietung gewidmet von Carl Huter.

Mit dieser Dichtung eröffnete Carl Huter im Oktober 1899 die erste Ausgabe des ersten Jahrganges seiner Zeitschrift "Die Hochwart". Sie wurde im gleichen Jahr auch in der Gedichtsammlung "Die Glocken aus dem Cheruskerwald" (2. Auflage 1999 im Carl-Huter-Verlag Zürich) abgedruckt. Sie war wohl verfasst worden, nach dem Friedensmanifest des Zaren Nikolaus II. von Russland vom 24. August 1898, in dem dieser zu einer Abrüstungskonferenz aufrief. Der Zar erstrebte, die Rüstungsspirale zu unterbrechen. Bei manchen fand sein Vorstoß ein begeistertes Echo, etwa bei der späteren Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner und Henry Dunant, dem Gründer des Internationalen Roten Kreuzes. Andere, darunter auch die deutsche Regierung mit Kaiser Wilhelm II. an der Spitze, misstrauten dem Zaren. Auch die Sozialdemokratie war nicht begeistert, sondern schwankte zwischen Skepsis und und feindlicher Ablehnung des Zaren-Manifests. Aus der Initiative des Zaren ging schließlich der Internationale Gerichtshof in Den Haag hervor.

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Die Verleumdungsseuche

von Carl Huter verfasst, veröffentlicht im Juli 1900.

Es ist freilich kein erfreuliches Kapitel, das in den nachstehenden Zeilen zur Erörterung gelangen soll. Es dürfte aber doch angebracht sein, demselben einige Worte zu widmen, umsomehr, da das Übel, um welches es sich hier handelt, von vornherein zu wenig beachtet wird und es mit dem Schutz des Einzelnen gegen dieses Übel ziemlich stiefmütterlich bestellt ist.

Wir hören viele Klagen über Brutalität, Roheit und Gewalttaten. Der Gesetzgeber denkt an schärfere Massnahmen, der Richter lässt eine strengere Bestrafung der Schuldigen eintreten, um allen verrohten Gemütern ein heilsames Beispiel zu geben.

Man hört heute auch viele Klagen über die Verleumdungssucht, aber man hört wenig von den Schritten, die darauf abzielen, Verleumdern das Handwerk zu legen.

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Gedichte von Carl Huter (1861-1912)

Carl Huter hatte die Gewohnheit, was ihn beschäftigte, also meist an aktuelle Ereignisse anknüpfende innere Erregungen in Gedichte und kurze Abhandlungen zu fassen. In diesen Gedichten und Abhandlungen ist oft nicht die Form, nicht die sprachliche Ausgestaltung, sondern der Inhalt, die Mitteilung von besonderem Interesse. Sie gleichen, so unregelmäßig und zahlreich er solche Dichtungen zu Papier brachte, den Eintragungen in ein persönliches Tagebuch. Er schrieb spontan Gedanken nieder, die sich sonst im Tagesgeschehen verflüchtigt hätten. Sorgfältig redigiert und, wo dies für das Verständnis notwendig ist, kommentiert, folgen hier solche Gedichte und Abhandlungen. Weil manche dieser Gedichte und Abhandlungen an damalige Aktualitäten anknüpfen, ist es für das Verständnis unentbehrlich, den Kontext zu kennen.

Friedensgruß (Oktober 1899)
Herbst (November 1899)

 

Wilhelm II., der Allerglorreichste
(Juli 1901)

Aus der von Carl Huter herausgegebenen Zeitschrift "Die Hochwart", 2. Jahrgang, Juli 1901, No. 10. Der nachfolgende Artikel ist ohne weitere Kommentierung so gedruckt gewesen. Im Kontext der Zeitschrift ist er als kaiserkritisch zu verstehen.

Das neu erbaute Offizierskasino in Konstanz trug ursprünglich über dem Portal in vergoldeten Lettern die prunkvolle Inschrift: Imperatore Guilelmo II. gloriosissime regnante aedificatum, d. h. auf deutsch: Erbaut unter der allerglorreichsten Regierung Kaiser Wilhelms II.

Kürzlich ist nun diese Inschrift ohne Sang und Klang verschwunden. Sie ist weggemeißelt worden. Demnach scheint für die zukünftige Benennung Wilhelms II. der Beiname der Allerglorreichste vorgesehen zu sein. Der Große ist bekanntlich schon Wilhelm I. genannt worden. Man vermutet, dass diese Inschrift deshalb weggemeißelt wurde, weil sie übersehen hatte, dass in Baden zunächst noch der Großherzog die Regierung führt.

Copyright by Fritz Aerni, Carl-Huter-Verlag Zürich, 2008.

Die Gefühlsphysiognomik
als geheimnisvolle Schöpferkraft
jeder alten und neuen Gesellschaftsordnung

(Januar 1900)

von Carl Huter. Diese Abhandlung erschien im Januar 1900 in der Zeitschrift "Die Hochwart" (Nr. 4, 1. Jahrgang).

Liebe Leserin, lieber Leser

Wenn du zum ersten Mal einem Menschen gegenübertrittst, so wirst du unwillkürlich suchen, messen und vergleichen, was der Fremde nicht nur in seinen Worten, sondern auch in seinen Gebärden und dem allgemeinen Erscheinungsbild zum Ausdruck bringt. Dieses Suchen, Messen und Vergleichen kann mit verschiedenen Auffassungsmitteln geschehen, etwa mit dem individuellen Formengefühl über die ruhenden Körperformen, mit dem Taktgefühl für die innere Beweglichkeit, mit dem Sehen, Hören, ja selbst mit dem Riechen. Jemand, der sehr unangenehm riecht, kann bei uns sofort die Sympathie verlieren. Eine zu harte, keifende oder näselnde Aussprache oder ein abstoßender Tonfall gefällt uns nicht. Eine zu sehr unserem eigenen Körper und unserem eigenen Verhalten fern liegende Beweglichkeit, Ruhe oder Gesamtbildung berührt uns nicht sympathisch. Ein kalter oder stechender, listiger oder unheimlicher Blick erschüttert in uns das Vertrauen zu der Person, kurz, jeder nimmt den Maßstab, womit er physiognomisch misst, aus sich selbst. Seine eigene Individualität gilt ihm als Wertmesser, womit er andere beurteilt. Diese Methode ist das, was man instinktives Gefühl nennt.

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