carl-huter.ch

Psychophysiognomik und Kallisophie

Horst KöhlerIn der Zeitschrift

PHYSIOGNOMIE UND CHARAKTER

Nr. 7-8/2004

habe ich

Horst Köhler,

deutscher Bundespräsident

auf der Grundlage der Huter'schen Psychophysiognomik beschrieben. Das Heft ist seit längerer Zeit vergriffen. Hier folgend die Abhandlung im unveränderten Wortlaut, allerdings ohne die zahlreichen Abbildungen und Legenden:

"In der Rede nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten vom 23. Mai 2004 sprach Horst Köhler außer anderen schönen Worten:

«Wenn wir es richtig anpacken, kann Deutschland aus der Globalisierung weiterhin großen Nutzen ziehen. Aber wir müssen auch besonders dafür arbeiten, dass die Globalisierung den Armen dieser Welt zugute kommt. Dies wird nur gelingen, wenn sich die Industrieländer, also auch Deutschland, in ihrem Verhalten ändern, und vor allem auch ihre Märkte für die Entwicklungsländer öffnen. Das heißt dann eben auch, dass wir Wettbewerb und Strukturwandel annehmen müssen.» Er sprach auch von Vertrauen als Sozialkapital, das zu pflegen sei, und von Verantwortung.

Horst Köhler hat Armut selbst erlebt. Es scheint auch, dass er nicht vergessen hat, wie es ist, arm zu sein.

Es ist in der Tat eines der größten Probleme gegenwärtiger europäischer und ‹westlicher› Politik, wie die Armut bekämpft werden kann bzw. wie alle Menschen ein Leben leben können, das ihnen indviduelle Entwicklung und Entfaltung und die Wahrnehmung der Freiheitsrechte ermöglicht, das sie zu mündigen Erdenbürgern heranwachsen lässt, das neben Gesundheitspflege und Regeneration auch Bildung ermöglicht, das also in einem ethisch schönen oder kallisophischen Sinne menschenwürdig ist.

Es ist diese Frage ganz anders anzugehen als etwa die Terrorismusfrage.

In der Praxis dürfte die Armut nicht erfolgreich bekämpft werden können, wenn man den Dialog mit den gutwilligen und vernünftigen Menschen der nichtchristlichen Religionen nicht intensiv und auf gleicher Augenhöhe pflegt.

Auch ohne direkte oder indirekte Einflussnahme auf die Regierungen der Länder, in denen die Bevölkerung arm ist und nicht selten mit terroristischen Mitteln arm gehalten wird, dürfte es nicht gehen. Manchmal sind auch Regierungen, die etwas tun im Kampf gegen Armut, direkt materiell zu unterstützen.

Es ist aber auch mit den bedeutenden, im Volk geachteten Exponenten derjenigen Religionen und politischen Systeme, aus denen heraus innerer Terrorismus erwächst, ein maßvoller, anerkennender und würdigender Kontakt zu pflegen.

Wer sich allerdings zu sehr auf christliche Werte beruft, der dürfte bei der Mehrheit der Menschen, die seinen christlichen Glauben nicht teilen, auf Misstrauen stoßen. Wer etwa das islamische Kopftuch als eine Bedrohung für die christliche Kultur auffasst oder dieses Thema zu einer Machtprobe macht, der ist wohl besser dazu geeignet, den Kampf zwischen Islam und Christentum zu schüren als zwischen diesen beiden Schwesterreligionen zu versöhnen. Das aber kann kaum im Interesse Deutschlands sein.

Auch in der christlichen Tradition haben Frauen und Ordensfrauen ihre Haare vollständig bedeckt. So lange ist es noch nicht her, da haben Ordensschwestern in vielen Schulen unterrichtet, ohne dass man daran Anstoß genommen hat.

Es ist auch noch nicht so lange her, da konnte man die Bekleidungen von christlichen Ordensschwestern und -brüdern sowie von Geistlichen durchaus als Signale eines politischen Anspruchs, der nicht selten raffiniert und auch gewaltsam durchgesetzt wurde, verstehen.

Deutschland hat ja eine ausgedehnte und facettenreiche Geschichte der Christianisierung. In dieser Geschichte kommt die Zerstörung vorausgehender Religionen und politischer Einrichtungen ebenso vor wie jede andere Art der gewaltsamen Durchsetzung. Die Reformation und Gegenreformation verliefen ebenfalls nicht ohne Gewalt und Terror. Die Inquisition, der kein Verbrechen zu groß war, brauche ich nur zu erwähnen. Die Wunden, die sich die Christen selbst schlugen, hatten zur Folge, dass sich noch heute die Katholiken mit den Protestanten nicht zum Abendmahl an einen Tisch setzen.

Mindestens bis ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts waren die christlichen Kirchen der Meinung, dass sie sich mit anderen Religionen nicht ernstlich theologisch auseinandersetzen müssen, denn die Welt würde bald vollständig christianisiert sein, etwa so wie sie fast vollständig vom christlichen Europa und Amerika beherrscht wurde. Auf gar keinen Fall war man bereit, diesen anderen Religionen gegenüber Konzessionen zu machen. Das war wohl der Hauptgrund, weshalb sich die großen christlichen Konfessionen von dem von Carl Huter zusammen mit Adolf Brodbeck angeregten ersten Weltreligionsparlament, das 1893 in Chicago Ill. durchgeführt wurde, fern hielten. Das zweite Weltreligionsparlament wurde, angeregt durch Prof. Dr. Hans Küng (Tübingen), im Jahre 1993 durchgeführt.

Wer sich auf eine christliche Kultur und Tradition beruft, der sollte also, damit er nicht missverstanden wird, genauer bezeichnen, welche christliche Kultur und Tradition er meint. Jedes Unrecht hat heute die Möglichkeit, sich auf eine christliche Tradition und Kultur zu berufen.

Es ist zwar nicht sicher, dass Frieden zwischen den Religionen den Weltfrieden garantiert. Es ist aber sicher, dass Unfrieden und Überheblichkeiten zwischen den Religionen den Weltfrieden gefährden, ja Kriege und Terrorismus fördern. Das Erheben eines religiösen Superioritätsanspruchs ist mindestens so sehr Gift für das friedliche Zusammenleben der Völker wie rückwärts gewandter und aggressiver religiöser Fundamentalismus. Es weist einiges darauf hin, dass es zwischen diesen Polen einen kausalen Zusammenhang gibt in der Art, dass durch ein behauptetes Wahrheitsmonopol und durch Machtarroganz Terrorismus hervorgerufen und aktiviert wird.

Da der deutsche Bundespräsident eine Autorität nicht nur innerhalb Deutschlands und allenfalls Europas ist, sondern insbesondere das ‹Klima› in der Welt ganz entscheidend beeinflussen kann, wünscht man sich, dass Horst Köhler im Umgang mit den Religionen und den politischen Kräften der Welt eine glückliche Hand haben wird.

Ethisch schön und im Sinne der Kallisophie ist es, wenn zwischen den Religionen ein Klima der Achtung und Wertschätzung, des friedlichen Austauschs und der wetteifernden Diskussion besteht, gleichzeitig aber auch ein Klima, das es ermöglicht und begünstigt, über die großen richtungsweisenden und kulturschöpferischen Lehren der Vergangenheit hinweg zu neuen Idealen zu gelangen. Diese werden mindestens teilweise naturwissenschaftliche Grundlagen haben müssen, jedenfalls aber der wirklichen naturwissenschaftlichen Wahrheitserkenntnis nicht widersprechen dürfen. Manches, was in den bisherigen Religionen als ewige Wahrheit gelehrt wird, ist keine Wahrheit. Manches ist als Lehre geschaffen für Menschen einer fernen Vergangenheit in anderen Lebensverhältnissen und passt nicht mehr für den modernen Menschen. Auch wenn manches einen Wandel erfahren muss und wird, so braucht man aber doch nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten, so braucht man nicht taktlos zu sein. Offen zu sein für Neues und am Schaffen von Neuem mitzuwirken ist ebenso wichtig wie die guten alten Werte in allen Religionen zu achten. Man soll nicht die guten, kulturschöpferischen alten Werte zertrümmern und nicht Steine geben anstelle von Brot.

Dies so zu handhaben, möchte man sich vom neuen Bundespräsidenten wünschen, denn die Fragen, die sich zwischen dem Islam und dem Christentum, aber auch zwischen dem Christentum und den weiteren Religionen eröffnen, werden immer drängender und, angesichts des hohen Anteils von Moslem in Deutschland, unausweichlich. Nicht zuletzt ist es der Terrorismus, der in den letzten Jahrzehnten immer mehr in einen Kampf zwischen Christentum und Islam mündete, der dies mehr als wünschenswert macht.

Horst Köhler hat als ‹Managing Director› des Internationalen Währungsfonds IWF mehr Spitzenpolitiker in der ganzen Welt persönlich kennen gelernt als jeder andere deutsche Politiker vor ihm. Er hat eine dementsprechende Erfahrung, Erfahrung im Umgang mit Mächtigen und auch Erfahrung im Umgang mit Macht. Es ist nun die Frage, ob Horst Köhler, abgesehen von seinen repräsentativen Pflichten, sich auch weiterhin, jetzt aber ohne eigentliche Machtmittel, nur mit der ‹Macht des Wortes› für die Anliegen der Armen und Schwachen in der Welt einsetzen wird. Es interessiert auch, in welcher Tonlage er dies allenfalls tun wird, als persönliches Anliegen oder als ein unverbindliches Thema, das, wird es hin und wieder angesprochen, geeignet ist, die Sympathie der Menschen zu gewinnen.

Ein politisches Konkurrenzsystem, wie es in Deutschland vorhanden ist, braucht um des inneren Friedens und Zusammenhaltes willen eine starke Persönlichkeit, die durch das Wort immer wieder auf die gemeinsamen Interessen und auf eine gemeinsame Vision hinlenkt. Ohne eine Vorstellung, wie die Zukunft aussehen soll, ohne eine Vision zu haben, kann man sich zwar parteipolitisch bekämpfen, nicht aber die Zukunft gestalten.

Es hat jemand das Amt des Bundespräsidenten als eine Art von Hohenpriesteramt bezeichnet. Diese Formulierung, wenn sie auch etwas altertümlich klingt, hat viel Wahres. Die Aufteilung der Aufgaben zwischen Kanzler und Präsident erinnern ohnehin sehr an das Staatssystem der Cherusker und anderer germanischer Stämme. Hat der Kanzler den Kampf aufzunehmen mit allen Widerwärtigkeiten, die das Steuern des Staatsschiffes mit sich bringt, so ist der Präsident derjenige, der zur Besinnung mahnt, der vor Fehlern, Unrecht und Kurzsichtigkeit warnt und der durchaus in moralischem Sinne zum Guten ermuntert. Er hat in moderner Form und Interpretation ungefähr die Stellung der ehemaligen Landeshuter, während die täglichen Regierungsgeschäfte von den Fürsten und Herzögen geführt wurden.

Der Bundespräsident ist nicht vorrangig den Parteien, sondern der Bevölkerung verpflichtet. Vielleicht ist es eine kluge Anmerkung, dass der Bundespräsident in manchem das Volk anwaltschaftlich vertreten und mit einer Stimme ausstatten kann, darf oder muss. Dies hat eine besondere Bedeutung deshalb, weil das deutsche Volk durch das Parlament in allen Sachfragen vertreten wird. Es hat nur sehr eingeschränkte direktdemokratische Rechte. Aus Angst vor Demagogen hat man dies nach dem Zweiten Weltkrieg so eingerichtet. Man fürchtete, dass ein zweiter Hitler kommen könnte, der das Volk verführt. Damit ist aber nicht die ganze Wahrheit gesagt. Adolf Hitler wurde zwar durch einen Teil des Volkes gewählt, aber nicht durch die Mehrheit. Dass er im Januar 1933 an die Macht kam, dazu haben ihm kleinliche Abrechnungs- und Machtintrigen zwischen christlichen
Zentrumsmännern und anderen Parteimännern verholfen. Dass er diktatorische Vollmachten erhielt, dazu verhalf ihm erst das Parlament durch die Zustimmung zu den Ermächtigungsgesetzen. Ein späterer Bundespräsident war damals ebenfalls im Parlament und hat den Gesetzen, die Hitler die diktatorische Vollmacht einräumten, zugestimmt. Damit war Hitler ganz legal mit diktatorischer Vollmacht ausgestattet worden. Vielleicht hätte sich Hitler auch ohne die Zustimmung des Parlaments diktatorische Vollmachten herausgenommen. Er hätte es dann aber nicht mit der Zustimmung des Parlamentes, das sich damit selbst entmachtet hatte, getan.

Durch die Ermächtigungsgesetze war für Hitler der Weg frei, einen Staatsterrorismus im Inneren zu entfalten, wie es ihn zuvor nie und nirgends gegeben hat.

Es fehlte allen, den Parlamentariern (und dem Volk) an Menschenkenntnis. Den Weg zur Diktatur aber hat das Parlament geöffnet, nicht eine Volksmehrheit.

Heute wird die Sorge vor Demagogen vorgeschoben, um dem Volk keine weiteren demokratischen Rechte einräumen zu müssen. Es mögen andere darüber nachdenken, ob dieses Argument nicht im Kern demagogisch ist.

Eine weitere Sorge wird gegenwärtig oft genannt, nämlich die Sorge, die Demokratie könne eine Falle sein. Es wird dafür das Wort ‹Demokratiefalle› gebraucht. Gemeint ist damit, dass eine Demokratie zu schwerfällig sei, um dem Wandel und den Erfordernissen der Zeit entsprechen zu können. Diesen Vorwurf betrachte ich als gefährliche Demagogie, denn er zielt auf die Verminderung der demokratischen Rechte des Volkes.

Ich denke, dass man die Intelligenz und Urteilskraft des politisch interessierten Volkes nicht unterschätzen darf. Es ist zudem nicht bewiesen, dass die Intelligenz und Urteilskraft von Abgeordneten höher ist als diejenige des politisch interessierten Volkes. Ein Beispiel dafür, dass im Volk ein großes intellektuelles Potenzial schlummert, das unter Umständen erwacht oder das geweckt werden kann, ist gerade Horst Köhler.

Es ist m. E. unbedingt anzustreben, dass dem Volk mehr demokratische Rechte eingeräumt werden. Das verlangsamt zwar den einzelnen politischen Ablauf. Zieht man aber in Betracht, dass die Politiker bessere Arbeit leisten müssen, wenn sie ihre Arbeit dem Volk zur Abstimmung vorlegen müssen, so entsteht unter dem Strich doch ein beträchtlicher Vorsprung, denn manche rechthaberische, vielleicht sogar ideologisch gefütterte Dummheit, die viel Ungerechtigkeit, Hemmung und Streit verursacht, wird in diesem Fall nicht gemacht. Außerdem entsteht durch direktdemokratische Rechte eine engere Verbindung zwischen Regierung und Volk. Auch dies dürfte der Weisheit der Berliner Abgeordneten nicht abträglich sein.

Ein Ersatzinstrument für direktdemokratische Rechte des Volkes sind im heutigen Deutschland die Umfragen. Diese sind, wie jeder weiß, leicht ‹handhabbar› und jedenfalls unverbindlich, also ein willkommenes Instrument für Demagogen.

Es ist also wünschenswert, wenn ein Bundespräsident sich in manchem als Anwalt des ganzen Volkes versteht.

Bei allen Rangeleien, die der Wahl eines Bundespräsidenten voranzugehen pflegen, scheint aber doch jeweils auch das Bewusstsein die Verantwortlichen zu leiten, dass dieses Amt durch eine Persönlichkeit, die den vorstehend geschilderten und weiteren Ansprüchen gewachsen ist, besetzt werden muss. Deshalb ist es auch notwendig, vor einer physiognomischen Analyse sich über die Anforderungen des Amtes und über die wünschenswerten Merkmale der Persönlichkeit Rechenschaft abzulegen.

So machen wir uns jetzt unter Verwendung des psychophysiognomischen Vokabulars daran zu prüfen, wie und wie weit Horst Köhler den Anforderungen in seinem neuen Amt entspricht. Diese Analyse habe ich am 23. Mai 2004, am Tag der Wahl, den Newsletter-Empfängern, wenigstens in Kurzversion, zugestellt.

1. Naturell

Horst Köhler hat das Bewegungs-Empfindungsnaturell, das insgesamt zur Harmonie geneigt ist. Dieses Naturell ist ausgesprochen dazu geneigt, in initiativer Weise sich mit Fragen der Bildung und Forschung sowie mit der Umsetzung von Bildungsgütern ins moderne Leben zu befassen. Ideen reale Gestalt zu geben oder da fördernd einzugreifen, wo dies geschieht, entspricht ihm ganz besonders. Er neigt aufgrund dieses Naturelles dazu, sich stark zu verausgaben. Es sind eben die Organsysteme, die zum Tätigsein drängen, das Bewegungssystem und das Empfindungssystem, besonders stark. Das Ernährungssystem tritt ihnen gegenüber zurück und ist sozusagen das schwächste Glied in der Kette. Was das Ernährungssystem zu seiner gesunden Tätigkeit braucht, wird denn auch leicht vernachlässigt.

Innerhalb dieses zur Harmonie geneigten Naturells bestehen aber doch auch Neigungen, die die Harmonie stören. Von den einen oder anderen wird sicher unangenehm empfunden werden, dass er, wenn er es für passend hält, mit schroffer Kritik und Zynismus sowie starker Eigenwilligkeit aufwarten kann.

Es ist dies jedenfalls ein besonderes Naturell, das sich viel Respekt verschaffen kann durch Intelligenz, Tatkraft und Beharrlichkeit. Die Gegensätzlichkeiten erzeugen ein Spannungsfeld, das ihn dazu bringt, Stellung zu beziehen und Zensuren auszuteilen. Die Gegensätzlichkeiten bringen aber auch Originalität und eine gute, anregende Wirkung mit sich, jedenfalls auch Gesprächsstoff.

Die harmonische Neigungsrichtung des Naturells, die unbewusst kommuniziert wird, lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass seine kritischen, vielleicht auch mal zugespitzten oder unbequemen Kommentare, im Ganzen gut gemeint und notwendig sind.

Trotzdem wirkt dieses Naturell leicht auch mal kantig, provozierend und geistig herausfordernd. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit zur Folge haben, dass seine Statements und seine Anmerkungen hin und wieder kontroverse Diskussionen auslösen werden. Köhler hat eben nicht ein geschmeidiges, elastisches, aalglattes, täuschendes oder indifferentes Naturell, das sich biegt und windet oder das sich gestalten lässt, das sich nach dem Wind dreht. Seine Art weltmännischen Verhaltens entbehrt nicht der Impulsivität, der Spontaneität und der kritischen Stellungnahme. Er wirkt gerade deshalb glaubwürdig und volksnah.

2. Innenspannung, Tatkraft und geistige Ruhe

Die Breite des Kopfes und die abstehenden Ohren zeigen eine starke Spannkraft und Energie, die ihn zur eifrigen Aus-einandersetzung mit den Fragen der Zeit und zu emsigem Arbeiten drängen.

Die starke Bewegungsanlage (s. Naturell) bzw. das kräftige Untergesicht weisen daraufhin, dass er sich nicht nur im Elfenbeinturm mit den Problemen der Zeit auseinandersetzt. Er will auch etwas tun und etwas bewirken, sich ein Ziel setzen und dieses mit Kraft und Energie ansteuern. Dabei entwickelt er nicht nur eine sehr bemerkenswerte Konzentrationskraft, sondern auch geistige Ruhe und Überblick. Letzteres ist erkenntlich am breiten Nasenrücken und an der Nasenwurzel.

3. Ökonomie und Wohlfahrt

Die Breite des mittleren Seitenhauptes (Finanzwirtschaft, Staatswirtschaft, globale Wirtschaft) sowie die Spannung der Stirnaußenpartie (Berechnung) sind besonders hervorzuheben. Die breite Rundung des vorderen Oberhauptes weist daraufhin, dass er es mit den Menschen in Deutschland, aber auch in aller Welt im Grundsatz gut meint.

Sicher werden seine Reden die Themen Wirtschaft, Bildung und allgemeine Wohlfahrt stark berücksichtigen.

Der Mund, dessen Winkel auf der einen Seite nach oben, auf der anderen nach unten gezogen sind, zeigt, dass er gelegentlich nicht recht weiß, ob er freundlich oder skeptisch-kritisch-bissig sein soll. So wird es wohl immer spannend sein zu beobachten, wofür er sich entscheidet.

4. Liberalität und Weltoffenheit

Die Bildung des vorderen Oberhauptes zeigt auch, dass er den Menschen die Freiheit und den freiheitlichen Spielraum gönnt. Die gespannten Formen, der «Magnetismus», zeigen allerdings auch, dass er erzieherischen und lenkenden Einfluss nehmen will. Er wird wohl für eine in liberalem und modernem Sinne verstandene ‹geführte Demokratie› eintreten.

Insgesamt möchten wir sagen, dass Horst Köhler markanter und beeinflussender als sein Vorgänger Johannes Rau wirken wird, dass er auf eine vitale und aktive Weise das Amt interpretieren wird und dass man von ihm nicht nur eine gute Amtsführung, sondern auch in ethischem, ja kallisophischem Sinne gute Impulse, die sowohl die deutsche Innenpolitik wie auch die internationale Politik betreffen, erwarten darf. Es ist davon auszugehen, dass er sich wird Gehör verschaffen können für seine Anliegen."

So weit der unveränderte Artikel aus "Physiognomie und Charakter", Nr. 7-8/2004.

Fritz Aerni
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!